Werden wir pilgern oder nicht …?

Wochenlang hat uns diese Frage beschäftigt. Wir haben gebangt und gehofft und schon nach Alternativen gesucht. Letztlich konnten wir unseren Pilgerweg wie geplant fortsetzen.

Wieder machten sich 2 Gruppen aus der Wohngemeinschaft Maria-Martha – Mitte Juni und Mitte Juli – unter der bewährten Begleitung je zweier Kolleginnen der Physiotherapie auf den Weg. Diesmal führte uns die blaue Muschel von Großenhain nach Riesa – wobei die erste Gruppe ein kleines Stück mit dem Bus fuhr und erst ab Skassa auf Schusters Rappen unterwegs war.

Großenhain empfing und überraschte uns mit seiner malerischen Innenstadt, den herrlichen Gässchen und hübsch herausgeputzten Häusern. Wir besuchten die beeindruckende Marienkirche, wo wir uns den Pilgersegen zusprachen und „unser“ Pilgerlied sangen. Gutgelaunt machten wir uns auf den Weg durch einen schönen Park und entlang herrlicher Natur. In Skassa besuchten wir die kleine, sehr alte Dorfkirche – hier begann der Pilgerweg der 1. Gruppe mit dem Reisesegen. Neben der Kirche standen Büsche voll mit reifen Felsenbirnen, an denen wir uns gütlich taten. Die 2. Gruppe bekam nichts mehr ab – die Büsche waren leergefegt.

Weiter führte der Weg entlang großer Felder mit blühenden Randstreifen und durch kleine Ortschaften. Immer wieder ergaben sich schöne Gespräche in ganz unterschiedlichen Gruppen. Schon bald kamen wir nach Zschaiten, wo wir im Hotel „Al dente“ nächtigen wollten. Wir wurden sehr herzlich aufgenommen. Schnell waren die Zimmer aufgeteilt und so konnten wir uns alsbald dem Abendbrot widmen. Wir wurden vorzüglich bedient und die riesigen leckeren Pizzen waren kaum zu schaffen.

Bei der 2. Gruppe waren unsere Freiwilligen Nato und Beka – ein Ehepaar aus Georgien dabei. In einer schönen Gesprächsrunde erfuhren wir mehr von ihrem Land, welches voller grandioser Landschaft, gastfreundlicher Menschen aber auch Armut, Korruption und Konflikten ist. Die beiden haben es sehr genossen, mit uns unterwegs zu sein. Und auch für uns waren sie eine große Bereicherung.

Nach einer erholsamen Nacht erwartete uns ein liebevoll zusammengestelltes Frühstück. Wir können dieses wunderbare Restaurant nur wärmstens empfehlen – es stimmte einfach alles: Das Essen war prima, der Service großartig und die Chefin persönlich hat sich viel Zeit für uns genommen. Wir hoffen, dass es nun nach der Corona-bedingten Schließzeit gut mit Restaurant und Hotel weitergeht und sich dauerhaft zahlreiche heitere Gäste einfinden werden.

Der 2. Tag führte uns über Nünchritz an die Elbe. Dieser folgten wir bis Riesa. Die 1. Gruppe wurde mit Nass von oben gesegnet, während bei der 2. Gruppe die Sonne ihr Bestes gab. Und so ist ein und derselbe Weg immer wieder anders – je nach Stimmung, Wetter, Jahreszeit, Begleiter*innen.

Kurz vor Riesa – eigentlich direkt gegenüber der Stadt – kamen wir am Schloss Promnitz vorbei. Es spielte vor 290 Jahren eine wichtige Rolle am Rande der größten Truppenschau, die Europa bis dahin gesehen hatte. Als „Zeithainer Lustlager“ ging das Spektakel mit 30.000 Soldaten und 4.000 hochrangigen Gästen in die Geschichtsbücher ein. Lebhaft erzählte davon Bodo Hauser, der sich uns als Kastellan (eine Art Schlossverwalter) vorstellte.  Von der einstigen Pracht des Schlosses ist nichts mehr übrig – die Gebäude sind heruntergekommen und man benötigt viel Fantasie, sich vorzustellen, wie es einmal war und wie es nach den Wünschen der jetzigen Besitzer (Fam. von Wolffersdorf) auch wieder werden soll. Herr Hauser erzählte noch viele andere Geschichten und mit einem Gefühl, hier ist es irgendwie merkwürdig – verließen wir das Grundstück.

Zu unserer großen Freude war die Fähre unmittelbar vor dem Schloss in Betrieb. Wir betätigten kräftig die am Steg hängende Glocke, welche den Fährmann auf der anderen Flussseite aus seiner warmen Stube rief. Nach dem Übersetzen pilgerten wir entlang der Elbe dem Bahnhof entgegen – doch vor der Abfahrt war noch Zeit für einen großen Eisbecher in einem italienischen Café.

Glücklich und zufrieden stiegen die Pilger*innen in den Zug nach Dresden. So war es wieder eine Reise, die uns gute Gespräche, Gaumenfreuden, schöne Landschaften in Gottes herrlicher Natur, alte Kirchen und überraschende Begegnungen gebracht hat. Wir freuen uns schon aufs näch