Hurra – wir leben noch

Das könnte man rufen. Und das ist nicht nur sinnbildlich gemeint. Genau 3 Monate ist es her, dass von heute auf morgen die Werkstatt wegen Corona-Verdachtsfällen und dann wegen der Allgemeinverfügung schließen musste. Damit geriet der gesamte Tagesrhythmus in der Wohngemeinschaft Maria-Martha aus den Fugen. Alle Bewohner*innen waren – wie alle anderen Menschen in Deutschland auch – nun den ganzen Tag in den Häusern bzw. dem unmittelbaren Umfeld „gefangen“. Denn bald kam auch die Kontaktsperre, das Besuchs- und das Heimfahrverbot. Nach und nach schlossen auch der Klosterladen und die Bäckerei. Es waren keine Einkäufe mehr möglich, die Therapien wurden abgesagt ebenso wie Vorsorgeuntersuchungen, Ausflüge, Urlaubsreisen.

Das war eine anstrengende und spannende Zeit. Und zu unserem großen Glück war das Wetter gut. Die Betreuten konnten sich in unserem schönen Außengelände aufhalten – was auch weidlich genutzt wurde.

Die Leitung des Klosters kam täglich zur Krisensitzung zusammen, um schnell auf die sich rasch ändernden Vorgaben und Situationen reagieren zu können.

Es waren Schutzkonzepte zu erstellen, Schutzkleidung zu besorgen, Infektionsmittel zu beschaffen. Das war teilweise abenteuerlich und gelang nur mit Glück und Beziehungen. Schutzmasken wurden von vielen fleißigen Händen privat genäht und uns als Spende zugeschickt – Hilfe kam dabei auch von der WfbM und unserer Näherin. In der Verwaltung wurden zwei Tage lange Schutzschilde in Serienproduktion gefertigt.

Die Mitarbeitenden in den Häusern und im ambulant betreuten Wohnen haben Großartiges geleistet, obwohl sie selbst im Privaten manchmal nicht wussten, wie sie es schaffen sollten – Kinderbetreuung, Hausaufgaben, Sorge um die Eltern. Alle waren sehr flexibel und die Dienstplaner ganz besonders. Doch mit dem Fokus auf den Betreuten wuchsen ungeahnte Kräfte.

Trotz allen Einsatzes:  Über diese lange Zeit hätten wir es nicht allein geschafft. So sind wir sehr dankbar für die Unterstützung aller, die uns geholfen haben.

Die Kolleg*innen der Förderschule (G) haben über einen längeren Zeitraum täglich Beschäftigung für kleine Gruppen angeboten. Die WfbM hat Kolleg*innen in die Bereiche geschickt und auch der Konvent. Ein Segen war auch Pater Johannes. Er kam täglich ins Josefshaus und unterstützte nach Kräften. Gerade in der Fasten- und österlichen Zeit konnten im Josefshaus die Andachten und geistigen Impulse stattfinden. Auch Kolleg*innen der anderen Bereiche suchten und fanden Wege, geistige „Nahrung“ zu reichen.

Nach und nach wurden in zwei großen Räumen „Arbeitsplätze“ eingerichtet und Material von der Werkstatt zur Verfügung gestellt. So konnte wenigstens ein paar Stunden pro Tag so etwas wie „Arbeit“ passieren und eine Tagesstruktur aufgebaut werden.

Neben der täglichen Routine der Arbeit fehlten ganz besonders die Treffen mit den Angehörigen. Wir versuchten, mit Telefon und Videoanrufen, sowie Briefen den Kontakt zu halten. Noch nie bekamen unsere Betreuten so viele Päckchen.

Und immer lag über allem die Angst und Spannung, dass irgendjemand das Virus einschleppt.

Sobald es möglich war, haben wir Besuche wieder zugelassen – auch wenn sie erstmal außerhalb der Häuser stattfinden müssen. Seit 2 Wochen sind auch wieder Heimfahrten möglich und seit gestern hat die WfbM wieder geöffnet.

Wir können ein wenig aufatmen und freuen uns an der schrittweisen Rückkehr zur Normalität.  Niemand ist bisher erkrankt. Und wir hoffen und beten, dass es so bleibt.