Pilgern Görlitz – Weißenberg

Das Pilgern wird in unseren Häusern zur Tradition. Das dritte Jahr in Folge machte sich eine Gruppe auf den Weg, diesmal in 2 Tagen von Görlitz über Arnsdorf nach Weißenberg. Die Kolleginnen der Physiotherapie haben wie auch in den letzten Jahren viel Arbeit in die Vorbereitung und Organisation gesteckt. Sie begleiteten die Gruppe und konnten auch die Äbtissin und eine Betreuerin als Mitpilgerinnen gewinnen.

Nach einer Andacht in der Klosterkirche, zog die Pilgergruppe mit zahlreichen guten Wünschen von Kolleg_innen und Bewohner_innen im Gepäck los. Mit Bus und Bahn ging es nach Görlitz. Quartier wurde in der idyllischen Jugendherberge in der Görlitzer Altstadt genommen. Der erste Ausflug führte zum Heiligen Grab. Die Heilig-Grab-Kapelle in der Neißestadt ist eine verkleinerte Kopie des Jerusalemer Originals, deren Genauigkeit bei keiner anderen Nachbildung des Heiligen Grabes in Deutschland erreicht wurde. Es war ein guter Einstieg in das geplante Vorhaben. Nach einem Eisbecher beim nächstgelegenen Italiener ging die Tour weiter zur Pfarrkirche St. Peter und Paul, die man besichtigte und zur inneren Einkehr nutzte. Den Abend ließen alle bei einer polnischen Pizza in Zgorzelec ausklingen.

Am 2. Tag stieß Frau Fiedler als Wegbegleiterin hinzu. Eine Überraschung war geplant. Vierbeinige Verstärkung, bestehend aus zwei Ponys und einem Hund, die extra aus Panschwitz-Kuckau nachgereist waren, übernahm das Marschgepäck. Zum Dank kümmerten sich unsere Bewohnerinnen rührend um die Gäste. Da Regen gemeldet war, wurde alles, was nicht anderweitig wasserfest gemacht werden konnte, in größere und kleinere Mülltüten gepackt. Als es endlich losging, war der Regen bereits in vollem Gange. Was keiner ahnte: Es sollte geschlagene 8 Stunden durchregnen. Es fand sich auch nach Stunden des Laufens kein trockenes Plätzchen für eine Rast. Der Magen hing in den Kniekehlen und der Regen war eine Herausforderung für das Gemüt.

Wie Maria und Josef bei der Herbergssuche klopften wir an eine Tür und baten um Unterschlupf in Stall oder Scheune. Und anders als bei Maria und Josef wurde uns sofort aufgetan. Ein gastfreundliches Ehepaar gab uns eine trockene Sitzgelegenheit, wo die erschöpfte Pilgergruppe rasten konnte. Auch die Pferde konnten auf der Wiese weiden. Ein herzliches „Vergelt´s Gott!“ an Sie!

Gestärkt durch das Mahl und beseelt von der Gastfreundschaft lief es sich nun wieder freier. Jede hatte ihre Methode gefunden, mit Wind und Regen fertig zu werden. Es glich einem meditativen Dahinziehen, die Gedanken nach Innen gekehrt, nicht achtend der schönen Landschaft und der von Weitem grüßenden Landeskrone. Die Schuhe füllten sich mit Wasser und so erübrigte es sich auch, den Pfützen auszuweichen. Andere sangen. Hin und wieder wurde auch ein kräftiger Fluch losgelassen.

Nach einem mühsamen Aufstieg erreichten wir das nächste Ziel – Die Hochwaldbaude. Hier wurden wir herzlich empfangen, mit warmem Kräutertee, einer kräftigen Hühnersuppe und anderen Köstlichkeiten bewirtet. Die besorgten Therapeuten zogen einen Abbruch der Pilgertour in Erwägung, da wirklich alle fast bis auf die Haut durchnässt waren und die anvisierte Herberge ohne Heizmöglichkeiten ausgestattet war. Mit diesem Vorschlag stieß man allerdings auf vehementen, ja fast empörten Widerspruch der Bewohnerinnen. Für sie kam ein Aufgeben absolut nicht in Frage.

Es ging also gut gestärkt auf zur letzten Tagesetappe nach Arnsdorf in der Gemeinde Vierkirchen. Dort angekommen war es 18 Uhr, die Kirchenglocken läuteten zum Empfang und der Regen hörte auf. Halleluja! Wir zogen ein in den herrlichen Vierseitenhof, wurden vom Pfarrer herzlich begrüßt und nahmen die Scheune in Besitz.

Dank einer logistischen Glanzleistung der Begleiterinnen standen in der Herberge ein Waschkorb trockener Kleidung und Föne bereit. Vielen Dank an Achim Schwede für den Nothelferdienst.
Nun wurden noch Schuhe und Socken voll Zeitungspapier gestopft oder trocken gefönt. Als das geschafft war, verabschiedeten sich Frau Fiedler und Frau Schwede von der Gruppe. Inzwischen war Frau Kuhn, eine passionierte Pilgerin, eingetroffen. Die Bewohnerinnen hatten sie eingeladen und sie war dieser Einladung gerne gefolgt. Zum Abendessen wurde gegrillt. Der Abend wurde mit schönen Gesprächen und munterem Gelächter zu etwas ganz besonderem, der allen noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Tag 3 begann trocken. Man stieg nach dem Frühstück in die halb nassen Schuhe und machte sich auf den Weg. Was gab es auch nach dem gestrigen Tag noch auszustehen? Lediglich ein idyllisches Tal kurz vor Weißenberg zeigte noch erhöhten Schwierigkeitsgrad. Glücklich und wohlbehalten erreichten alle am frühen Nachmittag das Pilgerziel. Den Abschluss bildete ein Besuch der Kirche mit Dank für alles Erlebte.

Es blieb noch Zeit zur Besichtigung des Weißenberger Pfefferkuchenmuseums. Zurück auf heimischem Boden waren die Freude und der Stolz auf die erbrachte Leistung riesig!
Insgesamt ging es wohl allen Beteiligten so, wie es unsere Äbtissin zusammenfasste: „Es war eine interessante Erfahrung – aber ein Mal reicht.“ Letzteres bezieht sich jedoch ausschließlich auf das furchtbar schlechte Wetter. Denn pilgern wollen alle im nächsten Jahr wieder.