Bildungsreise zum Rothenburger Martinshof

Liebe, Partnerschaft und Sexualität – ein Kurs für Menschen mit Behinderung

Die Themen Partnerschaft, Liebe und Sexualität nehmen in unseren Wohnbereichen an Bedeutung zu. Um uns dem Thema gemeinsam mit den Bewohner_innen kompetent zu nähern, haben wir uns für diese Bildungsreise entschieden.

Nach einem sehr freundlichen Empfang bezogen wir am Mittwoch unsere Zimmer im Rothenburger Martinshof. Bereits am Nachmittag wurden mit einer Kennenlernrunde Berührungsängste unter den 16 Teilnehmer_innen genommen. Gemeinsam wurden Benimmregeln beschlossen und im Folgenden legten wir miteinander den Ablaufplan fest.

Zum Einstieg waren wir angehalten, über uns selbst nachzudenken. Den Worten „Das bin ich“ folgend, konnte jeder seine Wünsche und Vorstellungen formulieren. Das ist wichtig, um dem Gegenüber vermitteln zu können, was die eigenen Bedürfnisse sind. Anschließend wurde über das Thema „Mein Körper“ gesprochen. Wie nehme ich ihn wahr, was gefällt mir an ihm und womit habe ich meine Probleme? Auf einfache Weise vermittelt und mit gut vorbereitetem Lehrmaterial konnten alle sehr gut mitarbeiten.

Am Abend ging es zum gemeinsamen Abendbrot. In einem modernen Gebäude, wo Großküche, Speisesaal, Gaststätte und ein kleiner Laden untergebracht sind, konnten wir die Mahlzeiten einnehmen. Die Verpflegung ließ keine Wünsche offen und war fantastisch.

Für den Donnerstag hatten wir uns ein straffes Programm vorgenommen. Was gehört zu einer gelingenden Partnerschaft, welche Unternehmungen sind möglich, aber auch, wie gehe ich mit Problemen oder Streit um? Wichtige Fragen, bei denen es zu heftigen Diskussionen kam. Die Körper von Mann und Frau waren ebenso Thema, wie Körperhygiene und „miteinander schlafen“. Auch ein möglicher Kinderwunsch mit allem dazu gehörenden Glück, aber auch der Verantwortung, den Entbehrungen und Schwierigkeiten (insbesondere vor dem Hintergrund einer eigenen Behinderung) im Leben mit einem Kind wurde umfassend betrachtet. Ebenso sprachen wir über die verschiedenen Möglichkeiten der Verhütung ungewollter Schwangerschaften und Geschlechtskrankheiten.

Am Abend gab es ein Zusammentreffen mit einer Schulklasse aus Zwickau, die im Martinshof ein Seminar über ethische und moralische Werte durchführte. Die Schüler_innen und unsere Teilnehmer_innen bewältigten in einem Spiel gemeinsam eine Aufgabe. Verbunden mit Seilen sollte ein Turm aus Holzklötzen errichtet werden, wobei das Ziel nur gemeinsam zu erreichen war. Eine tolle Erfahrung für alle!

Am Freitag sprachen wir über das Erlebte und reflektierten den Kurs. An den Wortmeldungen war zu erkennen, dass der Besuch des Seminars für alle ein Erfolg war und jede_r für die Zukunft viel mitnehmen konnte.

Für uns Panschwitzer gab es dann noch unerwartet einen schönen und sehr emotionalen Moment. Unser Dozent hatte uns den Tipp gegeben, an der diakonischen Andacht zum Ende der Arbeitswoche teilzunehmen. Thematisch ging es um Wasser, kurze Bibeltexte wurden vorgetragen, gemeinsam gesungen. Und vor dem „Vater unser“ kam die Frage des Zelebranten, ob man eine besondere Person mit in das Gebet aufnehmen möchte. Nach kurzem Zögern berichteten unsere Bewohner_innen vom Tod einer Mitbewohnerin am Vorabend unserer Abreise. Sie sollte unbedingt in das Gebet aufgenommen werden. So wurde für Jana eine Lebenskerze angezündet und in besonderer Weise für sie gebetet. Wir waren sehr dankbar für die Anteilnahme, das hat sehr gut getan.

Es hat sich für alle Bewohner_innen gelohnt, an diesem Seminar teilzunehmen. Neben viel Neuem wurde auch sehr viel Interessantes vermittelt, auf eine junge, frische Art und mittels einfacher Sprache. Dafür ein großes Danke an den Dozenten Herrn Hönig.