Annas Zeit bei uns geht zu Ende

Als Anna im März des letzten Jahres bei uns in der Internen Tagesstruktur und der Männergruppe anfing, hatte sie zuerst ihre Mühe mit den geregelten Tagesabläufen. Gewöhnt an das studentisch-freie Leben war der 8-Stunden-Arbeitstag eine mächtige Umstellung. In der Tagesstruktur-Gruppe merkte sie schnell, dass es himmelweite Unterschiede gibt im Verständnis des Wortes „Leistung“. Wo sie sich bisher abmühte, ihr Pädagogik-Studium erfolgreich zu absolvieren, ist der Erfolg mancher Bewohner bereits im selbstständigen Öffnen der Zahnpastatube zu sehen. Nach einem halben Jahr war das alles Routine. Dafür kamen neue Mitbewohnerinnen in die kleine WG in der Poststraße. Hajnalka ging, Kateryna und Vanessa kamen neu dazu. Es gab viel zu erklären und zu besprechen.

Woran wird Anna sich erinnern, wenn sie in einem Jahr vielleicht zurück blickt auf ihre Zeit in der Wohngemeinschaft Maria-Martha? An viele mehr oder weniger alltägliche Begebenheiten: Charles‘ Gesicht beim Einschlafen, Dominiques Freude, wenn sie ein Spiel gewinnt, mit Marco in der Lippe singen. Ganz wichtig sind auch ihre Hände – sagt sie – die vielen Berührungen, das Anfassen bei Spaziergängen… Die Ruhe in der Nacht wird sie vermissen. So still wie es in Panschwitz ist, kannte sie es vorher nicht. Auch die Umgebung wird sie in guter Erinnerung behalten. Den mal plätschernden, mal rauschenden Fluss, die Häuser, ihre Spaziergänge und die ganz besonderen Sonnenuntergänge oben in den Feldern. Als besonders empfand Anna auch, dass man sich hier im Kloster im Vorfeld so intensiv auf bevorstehende Feste vorbereitet.

Für sie persönlich hat der Aufenthalt viel bewegt. Sie konnte lernen, ihre Stärken und Schwächen besser einzuordnen. Annas Selbstbewusstsein ist gewachsen und ihre Klarheit darüber, was sie ausmacht. Von den Kollegen erfuhr sie viel Wertschätzung und Unterstützung, auch dabei, Eigeninitiative zu zeigen, den Mut zu haben, eigene Ideen umzusetzen und damit genau richtig zu liegen.

Nun geht es für Anna zurück nach Ungarn in ihr Studium, zurück in die andere Art Leistungsdruck. Wir wünschen Dir, dass Dein hier gefundenes Selbstvertrauen Dir auf Deinem weiteren Weg nützlich ist. Du wolltest lernen, auf die Bedürfnisse des Einzelnen in einer Gruppe eingehen zu können. Hier ist Dir das bemerkenswert gut gelungen. Du wirst bestimmt eine wunderbare Lehrerin. Eine Kollegin befand, man könne von Anna noch so viel lernen. Wir sind dankbar, dass Du hier warst und wir Dich kennenlernen durften. Alles, alles Gute für Deine Zukunft!